Klavier zu spielen, war seit jeher mein stärkster Wunsch. Da es aber in Bulgarien damals, als ich 5 Jahre alt war, nicht viele Klaviere gab und die wenigen so teuer waren, erschien mir das Klavierspielen als etwas absolut Unerreichbares. Ich habe den Wunsch lange für mich behalten – bis zu jener Nacht, in welcher mich die Gedanken über das Klavier einmal wieder nicht schlafen liessen und ich zu meiner Mutter ging, sie aufweckte und ihr davon erzählte.

irina_georgieva_biografieMeine Eltern empfanden diesen nächtlichen Wunsch als etwas Besonderes. Obwohl es keine anderen Musiker in meiner Familie gab, versuchten sie sich am scheinbar Unmöglichen, um mir ein Klavier, sogar ein deutsches der Marke «Zimmermann», zu besorgen. Für dieses Klavier stand mein Opa, der speziell dafür aus der Provinz nach Sofia kam, eine Woche lang Schlange vor dem Musikgeschäft, in dem es – wenn schon welche! – nur russische Klaviere zu kaufen gab.

Mein so wertvolles, unbezahlbares «Zimmermann» blieb zuhause zurück, als ich dank eines Stipendiums der Stiftung für Internationale Meisterkurse, Dr. Gerberten-Bosch Zürich, 2001 in die Schweiz kam, um mit dem bekannten Konzertpianisten Rudolf Buchbinder zusammen zu arbeiten. Heute weiss ich auch dank meines kostbaren «Zimmermann», welches immer noch in meiner ehemaligen Heimat Bulgarien steht, dass Musik Macht über alles hat, wenn sie aus Liebe entsteht!